Die Marx Brothers gehören zu den größten Ikonen der Filmgeschichte und revolutionierten mit ihrem anarchischen Humor die Comedy-Welt. Britannica beschreibt das US-amerikanische Brüdergespann als Meister des Slapsticks und des pointierten Wortwitzes, deren Einfluss bis heute im modernen Comedy-Kino spürbar ist. 

Geboren als Söhne jüdischer Einwanderer in New York City, ebnete vor allem ihre willensstarke Mutter Minnie Schönberg den Brüdern den Weg ins Rampenlicht. Was im klassischen Vaudeville-Theater und auf den Broadway-Bühnen der 1920er-Jahre begann, entwickelte sich mit dem Aufkommen des Tonfilms zu einer beispiellosen Kinokarriere. Die Brüder attackierten in ihren Rollen mit Vorliebe die High Society, starre gesellschaftliche Konventionen und jede Form von Autorität.

Die unverkennbaren Charaktere

Der Erfolg der Truppe basierte auf perfekt aufeinander abgestimmten, exzentrischen Kunstfiguren, die von den Brüdern über Jahrzehnte hinweg kaum verändert wurden:

Groucho (Julius Henry Marx)
Er war das unbestrittene Sprachrohr der Gruppe. Unverkennbar durch seinen aufgemalten Schnurrbart, die dicken Augenbrauen, die Brille und die allgegenwärtige Zigarre. Groucho lief in leicht gebückter Haltung und feuerte im Sekundentakt sarkastische Wortwitze, skurrile Beleidigungen und philosophischen Unsinn ab.

Harpo (Adolph Arthur Marx)
Der Mann, der kein Wort sprach. Harpo blieb in den Filmen absolut stumm und kommunizierte stattdessen über eine Autohupe, exzessive Mimik und die unzähligen Requisiten, die er aus seinem weiten Mantel zauberte. Als virtuoser Musiker baute er in fast jeden Film ein Solo an der Harfe ein.

Chico (Leonard Marx)
Er mimte den gerissenen, italienischen Einwanderer mit gefälschtem Akzent. Chico war meist der Vermittler zwischen dem chaotischen Harpo und dem wortgewandten Groucho. Seine Markenzeichen waren der Tirolerhut und sein unkonventionelles, akrobatisches Klavierspiel, bei dem er die Tasten oft mit den Fingern wie im „Pistolenschuss“ traf.

Zeppo & Gummo (Herbert und Milton Marx)
Gummo verließ die Truppe bereits vor den ersten Filmdrehs. Zeppo blieb anfangs als der „seriöse“ Liebhaber im Ensemble, zog sich jedoch Mitte der 1930er-Jahre ebenfalls aus dem Schauspielgeschäft zurück, um als erfolgreicher Agent hinter den Kulissen zu arbeiten.

Die Meilensteine der Filmgeschichte

In ihrer Blütezeit schufen die Marx Brothers einige der klügsten und rasantesten Komödien aller Zeiten. Zu ihren absoluten Meisterwerken gehören:

  1. Duck Soup (Die Marx Brothers im Krieg, 1933)
    Dieses Werk gilt unter Kritikern als ihr komödiantisches Vermächtnis. Eine bis an die Grenzen getriebene, bitterböse Politsatire auf den Nationalismus und die Sinnlosigkeit des Krieges. Die legendäre „Spiegelszene“, in der Harpo Grouchos Bewegungen perfekt imitiert, ging in die Filmgeschichte ein.

  2. A Night at the Opera (Eine Nacht in der Oper, 1935)
    Nach dem Wechsel zum Studio MGM entstand dieser riesige kommerzielle Erfolg. Hier zerlegen die Brüder die elitäre Welt der Oper nach allen Regeln der Kunst. Unvergessen ist die Szene in der Schiffskabine, in der sich immer mehr Menschen in einen winzigen Raum drängen, bis er buchstäblich platzt.

  3. Horse Feathers (Blühender Blödsinn, 1932)
    Eine gnadenlose Parodie auf das amerikanische Universitätssystem und den College-Football. Groucho glänzt hier als exzentrischer Professor Quincy Adams Wagstaff mit dem legendären Musikthema „Whatever It Is, I’m Against It“.

Das Erbe der Brüder

Die Marx Brothers bewiesen, dass Comedy nicht nur aus plumpem Slapstick bestehen muss. Sie verbanden physisches Chaos mit messerscharfem Intellekt und surrealem Sprachwitz. Ihre Kunst beeinflusste spätere Größen wie Monty Python, Woody Allen und Generationen moderner Komiker. Sie zeigten der Welt, dass man der Absurdität des Lebens am besten mit noch größerer, herrlicher Absurdität begegnet.